Teleprompter sind für amerikanische Präsidenten, längere Ansprachen und auswendiglernfaule Personen vor der Kamera unabdingbar. Leider sind sie auch relativ teuer (bspw. Prompterpeople), auch im Verleih (€150 pro Tag). Für einen No-Budget-Dreh beides keine Alternative. Also DIY.

Der grundsätzliche Aufbau eines Teleprompters ist ja relativ simpel: Auf einem horizontales Display ist in einem Winkel von 45° eine reflektierende transparente Fläche (bspw. ein halbdurchlässiger Spiegel) angebracht. Der Text wird auf diese Fläche projiziert. Die ablesende steht davor, gegenüber befindet sich die Kamera, die durch den Spiegel durchfilmt. So schaut die Person beim Lesen in die Kamera und es sind (fast) keine Augenbewegungen erkennbar. Es gibt auch Varianten, bei denen das Display direkt unter/neben der Kamera angebracht ist (ohne Spiegel und dgl.). Allerdings erkennt man bei geringerem Abstand zwischen Kamera und aufzunehmender Person, dass die Person nicht direkt in die Kamera sieht.

DIY-Teleprompter

Als Monitor habe ich einen alten 23″ Samsung verwendet (ein iPad würde auch funktionieren, hier gibt es sogar eigene Apps!). Montiert wurde das gute Ding auf einem Snareständer (als Schlagzeuger hat man sowas praktischerweise herumstehen). Darauf kommt die Plexiglasscheibe, welche mit einem Holzwinkel und zwei Holzrundstäben in einem 45°-Winkel (Daumen x Pi) fixiert wird. Dahinter wird dann die Kamera positioniert.

DIY-Teleprompter

Zwischen Kamera und Plexiglasscheibe sollte möglichst kein Licht sein (sonst funktioniert die Projektion nicht). Dafür wird die Konstruktion mit einem Verdunkelungsstoff abgedeckt, für den aber noch zwei Streben notwendig sind, damit er nicht „durchhängt“.

DIY-Teleprompter

Der Stoff wird so angebracht, dass jeglicher Lichteinfall von hinten (und auch von der Seite) unterbunden wird.

DIY-Teleprompter

Kosten (gesamt ca. €30):

  • Display, Ständer, Kamera: vorhanden
  • Verdunkelungsstoff, ca. 1m x 1,20m (Komolka): €12,20
  • Plexiglasplatte, ca. A3 (Bauhaus): €3,23
  • Holzstab, ca 1m (Bauhaus): €0,65
  • Winkelleiste aus Holz, ca. 1m (Bauhaus): €4,70
  • Gaffa-Tape (Papierfachgeschäft, anderswo deutlich billiger): €10,90

Es gibt verschiedene Teleprompter-Apps, mit denen man Text darstellen lassen kann. Wichtig ist, dass der Text spiegelverkehrt dargestellt werden kann (sonst ist er nicht lesbar auf der Plexiglasscheibe). Die beste App ist FlipQ (allerdings auch relativ teuer). Meine Alternative war AquaPrompt (ebenfalls kostenpflichtig, aber mit 10-Tage-Trial-Zeit).

So sieht der projizierte Text aus:

DIY-Teleprompter

Optimierungsmöglichkeiten:

  • „Ordentliches“ Gaffa-Tape verwenden. Das billige von Tesa hinterlässt Rückstände (bspw. die weißen Flecken am Monitor).
  • Anstatt der Plexiglas-Scheibe empfiehlt sich ein semitransparenter Spiegel (auch Spionspiegel genannt). Bei starker Beleuchtung im Raum sinkt die Lesbarkeit des auf die Plexiglasscheibe projizierten Textes. Ideal ist ein Vorderflächenspiegel (hier ist die Vorderseite die Spiegelfläche), damit gibt es keine Doppelbilder (= wenn Vorder- und Rückseite der Glasscheibe das Licht reflektieren). Bei der 2mm-Plexiglasscheibe ist dieser Effekt aber ohnehin nur sehr gering.
  • Der Stoff ist zwar absolut lichtundurchlässig, aber sehr glatt und somit etwas glänzend. Ein „matterer“ Stoff, der Licht weniger reflektiert, würde mehr Licht „schlucken“ und somit die Lesbarkeit des projizierten Textes noch erhöhen.